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Pflegebedürftige können oft selbst während des Schlafs, aber auch ansonsten im Liegen ihre Körperbewegungen nicht bewusst steuern. Die Ursachen sind vielfältig, und darauf möchte ich hier im Einzelnen auch nicht eingehen.

Die Gefahr, aus dem Bett zu fallen, ist jedenfalls  in vielen Fällen ständig da. Dem muss man begegnen, indem man Vorkehrungen trifft. Das Anbringen von Bettgittern und sonstigen Sicherungsmechanismen ist in der Pflegewelt umstritten, und es gibt Für und Wider.

Für uns haben wir eine sehr einfache Lösung gefunden, aber der Reihe nach:

Vor einigen Monaten war ich während des Morgens, als mein Mann noch schlief, im Keller, um die Waschmaschine anzustellen. Plötzlich hörte ich von oben einen fürchterlichen Knall, als ob eine Tür zugeschlagen wäre. Da aber keine Tür offen war, die hätte zuschlagen können, war mir klar, Ludwig ist aus dem Bett gefallen. Und so war es. Er lag, mit dem Gesicht nach unten auf dem Fußboden, eingeklemmt zwischen Bett, Nachtschrank und seinem Rollstuhl und wimmerte vor sich hin. Zum großen Glück war gerade unser Sohn zu Besuch (ja, manchmal gibt es eben „Glück im Unglück“), und auf Kommando 1,2,3, einer an den Beinen und einer am Oberkörper, hatten wir ihn schnell wieder im Bett. Dann haben wir ihn beruhigt, und noch extra mit einer Kuscheldecke zugedeckt.

Was war passiert? Ludwig muss manchmal stark husten, und dann bäumt sich sein Körper unkontrolliert auf. Seine betroffene linke Seite, insbesondere Arm und Bein, können die Bewegung nicht abfangen. Ungewollt holt er „Schwung“, und fliegt in hohem Bogen aus dem Bett. Oftmals war er schon nahe dran, herauszufallen, und ich lag nachts meist auf der Lauer, um das zu verhindern. Und während des Mittagsschlafes ließ ich immer die Tür auf, um alle „unorthodoxen“ Bewegungen zu beobachten.

Nachdem Ludwig dann  wieder wohlbehalten im Bett war, habe  ich mich erstmal hingesetzt, und die Erregung abklingen lassen. Was ist, wenn er sich wieder am Kopf gestoßen hat, oder er hat sich irgendwo verletzt, was man nicht auf den ersten Blick sieht. Ich war ganz schön fertig, und ich wusste, wir müssen etwas unternehmen. Schließlich ist man, auch in der Pflege zuhause, für die Sicherheit der einem anvertrauten Person verantwortlich…

Wir müssen eine Lösung finden, und wir fanden eine…

Im Schlafzimmer haben wir für Ludwig in seinem Bett einen sog. Einlegerahmen. Anstelle des Originallattenrostes kommt der ins Bett hinein, und so können die Ehebetten stehenbleiben. Er ist elektrisch verstellbar, wie man unten auf dem Foto sieht. Insgesamt geht es höher, Kopf-und Fußteil kann man gesondert verstellen.

Einlegerahmen

 

 

 

An den Seiten sind die sog. Matratzenhalter, die die Matratze positionieren. An diesen habe ich Gummigürtel befestigt, links oben  für den linken Arm, links unten  für das rechte Bein.

Sichern

 

Sichern2

Nachdem Ludwig im Bett gelandet ist, befestige ich mit den Gürteln seinen linken Arm und sein linkes Bein. Aber ganz locker. Der Gedanke ist der, etwas den Schwung beim Hustenanfall wegzunehmen. Und das wars schon. Machen wir während der Nacht und auch während des Mittagsschlafs. Fazit: Nachts können wir Beide schlafen, und Mittags muss ich auch nicht andauernd nachschauen.

 

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Grundsätzlich ist jede Sicherung von Pflegebedürftigen eine „freiheitsberaubende“ Maßnahme, und das Internet ist voll von Fällen, in denen in Pflegeheimen und auch zuhause immer wieder Verletzungen, manchmal sogar mit Todesfolge, vorkommen. Es gibt klare gesetzliche Regelungen, wie damit umzugehen ist.
Ich möchte ausdrücklich hervorheben, dass unsere Art, Ludwig vor einem Sturz aus dem Bett zu bewahren, nicht zur Anwendung empfohlen wird. Jeder Pflegefall ist anders. Ludwig jedenfalls wird keinesfalls seiner Freiheit beraubt, denn er kann sowieso nur auf dem Rücken liegen. Da seine linke Seite die weitaus betroffenere ist, bewegt er seinen linken Arm und sein linkes Bein sowieso nicht.
Er jedenfalls ist mit unserer Methode mehr als zufrieden und freut sich, dass er nun nicht mehr aus dem Bett fallen kann.

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